Geschichte von den zwei Wölfen

Ein alter Indianer sitzt mit seinem Enkelsohn am Lagerfeuer. Sie reden über das Leben mit all seinen Herausforderungen und der Alte erzählt von einem Kampf, der in seinem Inneren tobt.

„In mir wütet ein Kampf zwischen zwei Wölfen. Der eine Wolf ist böse. Er besteht aus Hass, Wut, Eifersucht, Habsucht, Größenwahn, Schuld, Lügen, Stolz, Minderwertigkeitsgefühlen, Überheblichkeit und Eigennutz – und so geht er mit sich selbst, mit allen anderen Wesen und der Natur um. Der andere Wolf ist gut. Er verkörpert Liebe, Freude, Friede, Gelassenheit, Selbstvertrauen, Freundlichkeit, Großzügigkeit, Aufrichtigkeit und Mitgefühl – und so geht er mit sich selbst, mit allen anderen Wesen und der Natur um. Auch in dir, mein Kind, wütet dieser Kampf.“

Der Enkel denkt eine Weile darüber nach und fragt den Großvater dann: „Welcher der beiden Wölfe wird den Kampf gewinnen?“ Die Alte lächelt und sagt: „Der Wolf, den du fütterst!“

Wir alle tragen diese beiden Wölfe in uns. Täglich haben wir erneut die Wahl, welchen der beiden Wölfe wir füttern wollen. Gerade während der Ausgangssperre ist es wichtig, positiv zu bleiben und sich auf Gefühle wie Hoffnung, Dankbarkeit und Selbstliebe zu besinnen. Gesunde Routinen entwickeln und die gewonnene Zeit positiv nutzen. Ich übe zum Beispiel gerade mit meinem Freund, auf Spanisch Yoga zu unterrichten. So haben wir beide unseren Nutzen davon: er bekommt täglich eine Yoga-Stunde und ich verbessere meine Sprachkenntnisse. Und auch für das Erledigen der vielen Kleinigkeiten, die ich seit Monaten aufgeschoben habe, da es an der Zeit fehlte, gibt es jetzt keine Ausreden mehr. Dazu lange Telefonate mit Freunden, zu denen ich schon ewig keinen Kontakt mehr hatte und mindestens 90 Minuten Yoga und Meditation täglich. Mittlerweile genieße ich die viele Zeit für mich wirklich sehr und bin dankbar, dass ich endlich mal dazu komme, einen Gang zurückzuschalten. Ich merke allerdings auch, wie es von Tag zu Tag schwieriger wird, sich zu motivieren. Gerade auch deshalb ist es wichtig, gesunde „Quaroutinen“ zu entwickeln.

Gleichzeitig bin ich überrascht, wie wenig ich eigentlich zum Leben brauche. Auf meinen vielen Reisen ist mir das zwar schon öfter bewusst geworden, allerdings war das einfache Leben da ja Teil des Abenteuers. Wochenlang in der Wohnung „eingesperrt“ zu sein ist da schon etwas anderes. Statt die nächste Reise oder überhaupt irgendetwas, zu planen, vertreibe ich mir die Zeit jetzt mit Tätigkeiten wie kochen, lesen, studieren und putzen und habe sogar Spass daran. Dank Corona und der Ungewissheit  was kommt, lebe ich jetzt wirklich im Hier und Jetzt. Und wenn wir dann in ein paar Wochen endlich wieder in den Bergen von Gran Canaria wandern gehen können, dann werde ich das ganz bestimmt noch mehr genießen als vorher. Dinge, die wir vorher für selbstverständlich betrachtet haben, werden wir mit anderen Augen sehen und wieder zu schätzen wissen. Manchmal weiss man eben doch erst, was man im Leben hat, wenn es einem für eine Zeit genommen wurde.

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